Der Flieger

Text zu Hans Trudels „Flieger“ in Infolge. Kunst am Bau, Bahnhof Baden. Christina Hemauer (Hg.)


Hier ist ihre Station – sie steigen aus, sie steigen ein, rennen. Oder sie kiffen noch ein wenig, die Kiffer in ihren dunkelblauen Daunenjacken und immer gleichen Turnschuhen, kiffen sich die vollgekiffte Birne weg. Teenies, blökende Schafe, die blöd rumgammeln und sich aneinander reiben. Die Mädchen mit ihren Scheiss-Jeans, die ihnen absurde Ballonärsche und Steckenbeinchen machen. Zugfahrer. Pressen die Arschbacken zusammen und glotzen optimistisch. Leerfresser der Supermärkte.
Ich hasse ihre gutgelaunten Stimmen, ihre fetten Bäuche, ihre schütteren Haare, die ich sehe von hier oben. Ihre Erfolge. Mich langweilen ihre Verliebtheiten, mich langweilt die Liebe. Ich fühle mich wie eine grosse Wüste oder wie wochenlanger Hochnebel. Nichts, nichts.


Grobes, dunkelgrünes Gras

Publiziert im Kulturmagazin Du, 2002


Der Berg konnte hängen wie ein Bauch, wie ein Wassertropfen, in dem sich die umliegende Welt spiegelte. Wie ein Panorama in einem einzigen Punkt, lautlos, fallend, in die Ewigkeit des Mittags gespreizt. Die Stille raschelte unter dem groben dunkelgrünen Gras, das man nicht schnitt. Der Mäher stand schon den ganzen Morgen stumm dort, jetzt gehörte das Land den Vögeln und Insekten. Der Mittag zog von Osten nach Westen wie ein riesiger Uhrzeiger, wie ein Zeigefinger. Dann kamen die Bauern, die Schäfer, wieder aus ihren Tennen, wo sie pittoresk im Stroh gelegen hatten, mit nackten Füssen. Die Fussnägel hatten sie golden lackiert. Sie schnürten ihre Schuhe, fassten uns Kinder bei der Hand und zeigten in die Ferne. Hoben den Rechen und zogen das Heu den Hang hinunter, in langsamen, sicheren Gesten, als gehorchten sie dem Pendel einer inneren Uhr.


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